Geschichte

Als eines der wenigen Sindelfinger Unternehmen blickt die Lammbrauerei heute auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück. 1823, so steht es im damaligen Gewerbe-Steuer-Caster der Stadt Sindelfingen verzeichnet, gründete der Wirt des Gasthauses Lamm in der Langen Straße eine Brauerei, um seine Gäste mit selbstgebrautem Gerstensaft zu erfreuen. Die Lammbrauerei war geboren. Schon ein Jahr später kaufte Johann Jakob Schlanderer den Betrieb und produzierte 1824 insgesamt 40 Hektoliter frisches Lammbräu.

Da das Bier sich immer größerer Beliebtheit erfreute, zog die ganze Brauerei knapp 80 Jahre später in die Mahdentalstraße um, wo sie noch heute zu finden ist. Denn das großzügige Gelände bot ausreichend Platz für die gestiegene Bierproduktion und ließ Raum für neue Ideen und Projekte.

Dabei blieb der ganze Braubetrieb stets in Familienhand: Auf Johann Jakob folgte 1918 Gottlob Otto bis dann 1948 sein Sohn Gustav Walter Schlanderer die Führung übernahm. Innerhalb dieser Zeit vergrößerte die Lammbrauerei jährlich ihren Bierausstoß um ein vielfaches. Während zwischen 1914 und 1945 noch rund 3 000 Hektoliter pro Jahr gebraut wurden, stieg die Produktion des Gerstensafts bis 1960 auf knapp 10 000 Hektoliter an.

Mit dem nach einem Geheimrezept hergestellten Lammbräu belieferte der Betrieb damals vor allem Gaststätten in ganz Sindelfingen und Umgebung.

Trotz dieses florierenden Bierabsatzes bewies Gustav Walter Schlanderer aber unternehmerische Weitsicht und erweiterte sein Getränkeangebot auch um einige Fremdbiere und alkoholfreie Getränke.

Bis 1973 wuchs die Lammbrauerei kontinuierlich und machte besonders unter Gustav Walter Schlanderer große Fortschritt: So baute der Unternehmer in der Mahdentalstraße zum Beispiel eine Flaschenfüllerei, richtete einen Lagerkeller ein und schaffte ein modernes Würzkühlsystem mit Whirlpool an.

Der Bierabsatz stieg auf 30 000 Hektoliter und der Lammbräukunde hatte die Qual der Wahl zwischen würzigem Exportbier, aromatischem Pilsbier und schmackhaftem Tafelbier. An Ostern und Weihnachten braute der Braumeister noch zusätzlich ein Festtagsbier.

Doch nicht nur als Bierlieferant, sondern auch als Arbeitgeber spielte die Lammbrauerei in Sindelfingen eine große Rolle. 1973 beschäftigte sie neben einem Braumeister einen Außenvertreter, zwei kaufmännische Kräfte und weitere 25 qualifizierte Facharbeiter, die mit zehn Lastwagen das frisch Gebraute zum Kunden brachten.

Nach den erfolgreichen 60er und 70er Jahren wirkten sich die Veränderungen der Bierbranche auch auf die Sindelfinger Lammbrauerei aus. So entschieden Gustav und Peter Schlanderer, die nach dem Tod von Gustav Walter Schlanderer 1972 gemeinsam mit ihrer Mutter Lotte den Familienbetrieb leiteten, die Flaschenabfüllung im Jahre 1989 zu stoppen.

Stattdessen arbeiteten die beiden Brüder folgende neue Leitlinie aus: Die Lammbrauerei mit dem neuem Namen Brauerei Otto Schlanderer KG sollte demnach auf zwei Standbeine stehen: Dem Getränkehandel und dem Brauen von Fassbier.

Für den Getränkehandel nahm der Betrieb unter den beiden Brüdern ein Vollsortiment an verschiedensten Biersorten von Beck's bis Warsteiner. Außerdem erweiterten sie die Angebotspalette durch verschiedenste Mineralwasser, Säfte, Cola-Produkte, Weine und sonstige Nischengetränke. Mit diesem umfangreichen Sortiment beliefert die Lammbrauerei damals wie heute Gaststätten, Betriebskantinen und Hotels im Großraum Stuttgart.

Aber auch Lammbräu wurde in der Mahdentalstraße noch gebraut. Die durch eine neue Keg-Anlage befüllten Fässer mit Edelpils, Krone oder Martinsbock fanden nach wie vor reißenden Absatz bei rund 100 gastronomischen Betrieben in Sindelfingen.

Ende 2004 vollzog das Familienunternehmen einen einschneidenden, aber äußerst wichtigen Wandel. Am 31. Dezember setzte die Lammbrauerei in der Mahdentalstraße den letzten Sud „Lammbräu“ an. Das Bierbrauen war damit Geschichte, der Familienbetrieb aber noch lange nicht. Denn inzwischen hatte sich der Getränkefachgroßhandel vom zweiten Standbein zur tragenden Säule des Unternehmens entwickelt.

Denn bereits seit Mitte 2004 zählt die Lammbrauerei zu den größten Getränkelieferanten in der Region Stuttgart. Mit ihren 20 Mitarbeitern beliefert sie täglich Hotels, Gaststätten und Kantinen von der Alb bis zum Schwarzwald, von Sindelfingen über Waiblingen, Göppingen und Tübingen bis nach Horb.

Seit der Aufnahme in die GEVA (Gesellschaft für Einkauf, Verkauf und Absatz von Gütern) 2004 hat sich der Warenumschlag stark erhöht. Inzwischen führt die Lammbrauerei weit über 400 flüssige Produkte. Am Handelsvolumen machen dabei Bier und Wasser jeweils ein Drittel, Limonade, Säfte und Wein zusammen ein weiteres Drittel aus.

Nach dem Tod von Dr. Gustav Schlanderer im Mai 2006 traten Johannes Schlanderer und Philipp Schlanderer dem Unternehmen bei.

Der schrittweisen Neuausrichtung der Geschäftstätigkeit wurde im Jahr 2006 mit einer neuen Namensgebung Rechnung getragen. Aus der Lammbrauerei Otto Schlanderer wurde das Unternehmen Gastrogetränke Schlanderer.